Bundesvernetzungstreffen 2026: Fach- und Servicestellen im länderübergreifenden Austausch

Am 28. und 29. September 2026 kamen die Fach- und Servicestellen für Kinder- und Jugendbeteiligung zu ihrem 11. Bundesvernetzungstreffen in Hannover zusammen. Vertreten waren Fach- und Servicestellen aus zwölf Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen). Ergänzt wurde die Runde durch das Bundeskompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung (KomKJB) und das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW). Gastgeberin war die Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung Niedersachsen.

Das Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB) brachte die Brandenburger Perspektive in den Austausch ein. Die beiden Tage boten Raum, unterschiedliche Beteiligungsstrukturen der Länder zu vergleichen, aktuelle Herausforderungen zu beraten und gemeinsame Vorhaben weiterzuentwickeln.

Beteiligung auf Landesebene

Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Kinder- und Jugendbeteiligung auf Landesebene organisiert ist. Die Teilnehmenden stellten unterschiedliche Ansätze aus den Ländern vor – darunter Landesjugendforen, Jugendkongresse, Dialogformate, Interessenvertretungen junger Menschen und zeitlich begrenzte Beteiligungsverfahren.

Der Vergleich machte sichtbar, wie unterschiedlich Zuständigkeiten, gesetzliche Rahmenbedingungen und Unterstützungsstrukturen ausgestaltet sind. Zugleich beschäftigen die Fach- und Servicestellen ähnliche Fragen: Wie können junge Menschen kontinuierlich an landespolitischen Prozessen beteiligt werden? Wie lassen sich unterschiedliche Gruppen erreichen? Und wie werden Ergebnisse aus Beteiligungsverfahren in politische und administrative Entscheidungen eingebunden?

Forschung, Daten und Wirkung

Sebastian Mech von der Justus-Liebig-Universität Gießen gab einen Einblick in die Vorbereitung einer bundesweiten Untersuchung zu Kinder- und Jugendparlamenten im Rahmen seiner Promotion. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie junge Menschen nicht nur befragt, sondern bereits an der Entwicklung des Forschungsdesigns beteiligt werden können.

Daran anschließend tauschten sich die Teilnehmenden über Monitoring, Wissensmanagement und Wirkungserfassung aus. Diskutiert wurde unter anderem, wie die Perspektiven junger Menschen regelmäßig erhoben, Ergebnisse verständlich aufbereitet und für Berichte, fachliche Empfehlungen und politische Prozesse genutzt werden können.

Eine weitere Frage lautete, wie vorhandenes Wissen aus den Fach- und Servicestellen kommunale Praxis erreicht – insbesondere dort, wo bislang noch keine Zusammenarbeit mit einer Fachstelle besteht.

Beteiligung unter veränderten politischen Bedingungen

Auch die Auswirkungen aktueller Wahlergebnisse und politischer Verschiebungen auf die Kinder- und Jugendbeteiligung wurden beraten. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit möglichen Versuchen, Beteiligungsformate politisch zu instrumentalisieren, mit unsicheren Förderbedingungen und mit Widerständen gegen Beteiligung in Politik und Verwaltung.

Als mögliche Handlungsansätze wurden unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Akteur*innen, eine bessere öffentliche Sichtbarkeit, rechtliche Absicherungen und die Stärkung haupt- und ehrenamtlicher Strukturen festgehalten. Dabei wurde deutlich, dass verlässliche Beteiligung nicht allein von guten Methoden abhängt. Sie benötigt tragfähige Strukturen, ausreichende Ressourcen und eine klare demokratische Haltung.

Awareness und Schutz mitdenken

Ein eigener Arbeitsabschnitt widmete sich Awareness und Schutz in Beteiligungsprozessen. Besprochen wurden die Bedeutung institutioneller Schutzkonzepte, Risiko- und Potenzialanalysen sowie verbindliche Regeln für den Umgang miteinander.

Zu den weiteren Punkten gehörten klar benannte Ansprechpersonen, Rückzugsmöglichkeiten bei Veranstaltungen und vorab geklärte Handlungswege für schwierige Situationen. Schutz wurde dabei nicht als Zusatzaufgabe verstanden, sondern als Bestandteil einer fachlich verantworteten Kinder- und Jugendbeteiligung.

Gemeinsame Sichtbarkeit weiterentwickeln

Als ein konkreter nächster Schritt soll eine gemeinsame Onlineübersicht der Fach- und Servicestellen entstehen. Sie soll den Zugang zu den Angeboten der Länder erleichtern und die bundesweiten Strukturen sichtbarer machen.

Für die weitere Zusammenarbeit wurden außerdem der bedarfsbezogene digitale Fachaustausch, die Wirkung von Berichten auf politische Prozesse und der Umgang mit schwieriger werdenden Rahmenbedingungen als Themen festgehalten.

Das Bundesvernetzungstreffen bietet den Fach- und Servicestellen einen wichtigen Raum, um Erfahrungen aus den Ländern zusammenzuführen, fachliche Fragen gemeinsam zu bearbeiten und länderübergreifende Vorhaben abzustimmen. Das KiJuBB wird sich weiterhin in diesen Austausch einbringen. Das nächste Treffen ist für 2027 im Saarland geplant.