Kinderbeteiligung braucht mehr als eine Stimme: Beitrag zum Lundy-Modell
Wie können Beteiligungsrechte von Kindern so umgesetzt werden, dass ihre Perspektiven tatsächlich in Entscheidungen einfließen? Der Beitrag von Dominik Ringler zum Beteiligungsmodell von Laura Lundy greift diese Frage auf. Er ist im Sammelband „Kinderbeteiligung vor Ort. Kinder gestalten Dorf und Stadt“ der Stiftung Mitarbeit erschienen und steht nun mit freundlicher Genehmigung als unveränderter Auszug auf der KiJuBB-Webseite zur Verfügung.
Kinderbeteiligung vor Ort
Der von der Stiftung Mitarbeit herausgegebene Sammelband nimmt Kinderbeteiligung als demokratische, rechtliche und kommunale Aufgabe in den Blick. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Kinder bereits in der Gegenwart von zahlreichen Entscheidungen in Städten und Gemeinden betroffen sind. Ihre Beteiligung gehört deshalb zu einer demokratischen Kommunalentwicklung und darf nicht allein als Vorbereitung auf ein späteres Leben als Bürger*innen verstanden werden.
Autor*innen aus Wissenschaft und Praxis setzen sich mit den Grundlagen, Formen und Rahmenbedingungen der Kinderbeteiligung auseinander. Die Beiträge behandeln unter anderem die Frage, warum Kommunen Kinder beteiligen sollten, welche Bedeutung die UN-Kinderrechtskonvention hat und welche Beteiligungsformen sich für unterschiedliche Situationen eignen. Weitere Schwerpunkte sind die Förderung von Demokratiekompetenz sowie die Verbindung von außerschulischer politischer Bildung, kommunalen Bildungslandschaften und Beteiligung.
Der Band verbindet damit fachliche Einordnungen mit Erfahrungen und Beispielen aus städtischen und ländlichen Räumen. Er richtet sich insbesondere an Kommunalpolitik und -verwaltung, Fachkräfte, Bildungseinrichtungen und weitere Akteur*innen, die Kinderbeteiligung vor Ort entwickeln oder bestehende Ansätze überprüfen möchten.
Der Beitrag zum Lundy-Modell – Abstract
Der Beitrag „Das Beteiligungsmodell von Laura Lundy: Ein Rahmen für echte Mitbestimmung von Kindern“ beschäftigt sich mit der praktischen Umsetzung von Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention. Dieser sichert Kindern das Recht zu, ihre Meinung in allen sie betreffenden Angelegenheiten frei zu äußern. Ihre Meinung muss ihrem Alter und ihrer Reife entsprechend berücksichtigt werden.
Laura Lundy entwickelte ihr Modell vor dem Hintergrund der häufig verkürzten Umsetzung dieses Rechts. Kinder erhielten zwar teilweise Gelegenheit, ihre Meinung zu äußern, blieben aber von den maßgeblichen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Das Modell macht deshalb deutlich, dass Beteiligung mehr voraussetzt als das Einholen einer „Stimme“.
Es unterscheidet vier miteinander verbundene Elemente:
- Raum: Kinder brauchen sichere, inklusive und zugängliche Gelegenheiten, ihre Perspektiven zu entwickeln und zu äußern.
- Stimme: Sie benötigen verständliche Informationen und passende Unterstützung, um ihre Sichtweisen auf unterschiedliche Weise ausdrücken zu können.
- Zuhörer*innen: Die Perspektiven der Kinder müssen die Personen und Stellen erreichen, die für die jeweilige Entscheidung verantwortlich sind.
- Einfluss: Die Beiträge müssen angemessen berücksichtigt werden. Dazu gehört auch eine nachvollziehbare Rückmeldung darüber, wie mit ihnen umgegangen wurde.
Der Artikel ordnet die Entstehung des Modells ein, stellt Verbindungen zu weiteren Kinderrechten her und beschreibt mögliche Anwendungsfelder in Bildungseinrichtungen, kommunalen Planungsverfahren, der Kinder- und Jugendhilfe und der Forschung. Zugleich greift er Grenzen und offene Fragen auf. Dazu gehören strukturelle Hindernisse, fehlende Ressourcen, Machtverhältnisse zwischen Erwachsenen und Kindern, die Einbindung marginalisierter Gruppen sowie die Frage, wie der tatsächliche Einfluss von Beteiligung nachvollzogen werden kann.
Das Lundy-Modell bietet damit einen fachlichen Rahmen, um Beteiligungsverfahren zu planen und kritisch zu prüfen: Gibt es einen zugänglichen Raum? Können Kinder ihre Perspektiven informiert und unterstützt äußern? Werden die zuständigen Entscheidungsträger*innen erreicht? Und lässt sich erkennen, welchen Einfluss die Beiträge auf die Entscheidung hatten?
Beitrag herunterladen und Sammelband bestellen
Der Beitrag wird unverändert als Auszug aus dem Sammelband veröffentlicht (s. Publikationen). Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Mitarbeit.
Der vollständige Sammelband „Kinderbeteiligung vor Ort. Kinder gestalten Dorf und Stadt“ ist im Verlag Stiftung Mitarbeit erschienen und kann über den Onlineshop der Stiftung Mitarbeit bestellt werden: