Kommunale Interessenvertretung

Interessen junger Menschen brauchen verlässliche Wege in Kommunalpolitik und Verwaltung. Das Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB) unterstützt kommunale Kinder- und Jugendgremien, Kinder- und Jugendbeauftragte, Koordinator*innen, junge Menschen in kommunalen Ausschüssen und weitere Interessenvertretungsstrukturen. Das Angebot richtet sich ebenso an die Fachkräfte und Verantwortlichen, die diese Arbeit begleiten.

Im Mittelpunkt stehen arbeitsfähige, selbstbestimmte und wirksam eingebundene Strukturen. Dafür müssen Auftrag, Rechte, Rollen, Ressourcen, Begleitung, die verbindliche Einbindung in politische und administrative Entscheidungsprozesse sowie eine verlässliche Rückkopplung und  geklärt sein. KiJuBB berät bei der Gründung, Weiterentwicklung und nachhaltigen Verankerung kommunaler Interessenvertretungen.

Unterschiedliche Formen – ein gemeinsames Ziel

Kommunale Interessenvertretung kann unterschiedliche Formen annehmen. Kinder- und Jugendgremien vertreten entsprechend der § 17 Abs. 3 und 4 und § 19 Abs. 3 der Brandenburger Kommunalverfassung (BbgKVerf) Anliegen junger Menschen eigenständig gegenüber Politik und Verwaltung. Sie arbeiten beispielsweise als Kinder- und Jugendbeirat, Jugendparlament, Jugendforum oder in einer anderen kommunal vereinbarten Form.

Kinder- und Jugendbeauftragte sowie Koordinator*innen übernehmen eine andere Rolle. Sie schaffen Zugänge, achten auf die Berücksichtigung junger Perspektiven, vermitteln zwischen Lebenswelt, Verwaltung und Politik und unterstützen Beteiligungsverfahren. Diese professionelle oder beauftragte Interessenvertretung ergänzt die Selbstvertretung junger Menschen, ersetzt sie aber nicht.

Auch junge Menschen in kommunalen Ausschüssen und anderen Erwachsenengremien sowie informelle, themenbezogene Jugendinitiativen gehören zum Arbeitsfeld. Entscheidend ist jeweils, dass Mandat, Einbindung in politische und administrative Entscheidungsprozesse, Einflussmöglichkeiten und Rückmeldungswege transparent geregelt sind.

Mehr als die Gründung eines Gremiums

Eine Interessenvertretung wird nicht allein durch einen Beschluss oder eine Satzungsregelung arbeitsfähig. Junge Vertreter*innen brauchen verlässliche Ansprechpersonen, Zeit, Räume, Sachmittel, verständliche Informationen und Zugang zu den Stellen, an denen Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden.

Zu einer tragfähigen kommunalen Struktur gehören insbesondere:

  • ein gemeinsam geklärter Auftrag und nachvollziehbare Zuständigkeiten,
  • geregelte Informations-, Anhörungs-, Rede-, Antrags- und Rückmelderechte,
  • eine kontinuierliche, fachlich qualifizierte Begleitung, die Selbstorganisation ermöglicht,
  • geeignete Wahl-, Berufungs- oder Zugangsverfahren,
  • ausreichende finanzielle, räumliche und technische Ressourcen,
  • barrierearme und diskriminierungssensible Arbeitsformen,
  • verbindliche Schnittstellen zu Kommunalpolitik und Verwaltung sowie
  • ein geregelter Umgang mit Konflikten, Beschwerden und Schutzbedarfen.

KiJuBB unterstützt dabei, diese Bedingungen gemeinsam mit den beteiligten jungen Menschen, Begleitpersonen, Verwaltung und Kommunalpolitik zu klären und in praktikable Verfahren zu übersetzen.

Selbstorganisation fachlich begleiten

Kommunale Interessenvertretung lebt von Eigenständigkeit. Junge Menschen bestimmen ihre Themen, Positionen und Arbeitsweisen selbst. Fachliche Begleitung soll Orientierung geben, Zugänge öffnen und organisatorische Hürden abbauen, ohne politische Inhalte vorzugeben oder Verantwortung an sich zu ziehen.

Begleitung ist zugleich Beziehungsarbeit. Vertrauen, Kontinuität und eine erreichbare Ansprechperson sind besonders wichtig, wenn Mitglieder wechseln, Konflikte entstehen oder kommunale Verfahren schwer verständlich sind. KiJuBB berät deshalb nicht nur die jungen Vertreter*innen, sondern auch Begleitpersonen aus Verwaltung und Kinder- und Jugendarbeit sowie politische Verantwortliche.

Bei einem Generationswechsel, einem Neustart oder längeren Unterbrechungen kann eine gemeinsame Klärung helfen: Was soll erhalten bleiben? Was muss neu vereinbart werden? Wie können neue Mitglieder gewonnen und eingearbeitet werden? Welche Aufgaben sind mit den vorhandenen Ressourcen realistisch?

Beratung, Qualifizierung und Vernetzung

KiJuBB verbindet Beratung, Qualifizierung und Vernetzung. Die konkrete Unterstützung richtet sich nach der Ausgangslage des Gremiums, der Begleitstruktur und der Kommune. Sie kann von einer ersten Rollen- und Auftragsklärung bis zur längerfristigen Begleitung von Aufbau-, Veränderungs- oder Konfliktprozessen reichen.

Qualifizierungen greifen die Fragen auf, die für die praktische Arbeit wichtig sind: kommunale Verfahren und Rechte, Teamarbeit, Moderation, Öffentlichkeitsarbeit, Projektplanung, Schutz und diskriminierungssensible Arbeitsweisen. Vernetzungsformate ermöglichen den Austausch zwischen jungen Engagierten, Begleitpersonen, Verwaltung und Politik.

Landesweite Verbindungen stärken

Kommunale Interessenvertretungen profitieren vom Austausch über die eigene Kommune hinaus. KiJuBB unterstützt landesweite Verbindungen, fachliche Lernräume und den Transfer guter Praxis.

Der Dachverband der Kinder- und Jugendgremien Brandenburg (DKJB) ist die eigenständige landesweite Selbstvertretung kommunaler Kinder- und Jugendgremien. KiJuBB begleitet und berät den DKJB fachlich. Die politischen Positionen, Entscheidungen und Inhalte verantwortet der Dachverband selbst.

Dachverband der Kinder- und Jugendgremien Brandenburg (DKJB)

Kinder- und Jugendbeauftragte sowie Personen in vergleichbaren Funktionen werden durch Beratung, Austausch und die fachliche Mitarbeit in der Landesarbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendbeauftragten unterstützt.

Landesarbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendbeauftragten im Land Brandenburg (LAG KiJuBe Brandenburg)

Akademie für Kinder- und Jugendparlamente

Die Akademie für Kinder- und Jugendparlamente ist ein Bundesprojekt in Trägerschaft des Arbeitskreis  deutscher Bildungsstätten e.V. . Sie unterstützt kommunale Kinder- und Jugendparlamente und andere Kinder- und Jugendgremien durch politische Bildung, Qualifizierung und Vernetzung und  ist Teil der bundesweiten Initiative „Starke Kinder- und Jugendparlamente“. Den Brandenburger Akademiestandort gestalten das KiJuBB und die Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz gemeinsam.

Die Angebote richten sich an junge Mitglieder der Gremien, an Fachkräfte und Begleitpersonen sowie an Verantwortliche aus Politik und Verwaltung. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung junger Engagierter, die Weiterqualifizierung von Begleitstrukturen, die Sensibilisierung kommunaler Entscheidungsträger*innen, vielfältige und zugängliche Beteiligungsformen sowie der Austausch zwischen Gremien. Inhalte und Formate werden an den Bedarfen der jungen Menschen und den jeweiligen Bedingungen vor Ort ausgerichtet.

Akademie für Kinder- und Jugendparlamente Brandenburg (Schloss Gollwitz)

Abgrenzung zu weiteren Interessenvertretungen

Jugendverbände und Jugendringe sind eigenständige demokratische Zusammenschlüsse und wichtige Interessenvertretungen junger Menschen. Informationen, Beratung und Vernetzung in diesem Arbeitsfeld bietet insbesondere der Landesjugendring Brandenburg.

Zum Landesjugendring Brandenburg

Für Schüler*innenvertretungen gelten eigene schulrechtliche Strukturen und Unterstützungsangebote. Passende Anlaufstellen und Materialien bieten der Landesschülerrat Brandenburg, das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zur Mitwirkung in der Schule sowie der Bildungsserver Berlin-Brandenburg mit Qualifizierungsangeboten für Schüler*innen.

Weitere Links zum Themenbereich Schule:

Verantwortung bleibt vor Ort

KiJuBB stärkt die Arbeitsfähigkeit kommunaler Interessenvertretungen, übernimmt aber weder deren politische Positionierung noch die dauerhaft notwendige Begleitung und Ausstattung durch die Kommune. Die Verantwortung für verlässliche Rechte, Ressourcen, Rückmeldungen und sichere Rahmenbedingungen verbleibt bei den jeweils zuständigen kommunalen Stellen.

Die Fachstelle ordnet rechtliche Grundlagen fachlich ein, ersetzt jedoch keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Ansprechpersonen

Portraitfoto der Mitarbeiterin
Julia Krüger
Referentin Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung
Kommunale Interessenvertretung, Kinder- und Jugendgremien, Kinder- und Jugendbeauftragte, Qualifizierung
+49 157 86803445

Angebote des KiJuBB

Das landesweite und kostenfreie Angebot umfasst – abhängig von Auftrag, Ausgangslage und verfügbaren Ressourcen:

  • orientierende Erstberatung und Auftragsklärung,
  • Beratung bei Gründung, Neustart, Weiterentwicklung und Generationswechsel,
  • Klärung von Auftrag, Mandat, Rollen, Rechten und Zuständigkeiten,
  • Unterstützung bei Satzung, Geschäftsordnung, Wahl- und Zugangsverfahren, Jahresplanung und Arbeitsstrukturen,
  • Beratung zu politischer  und administrativer Einbindung in Entscheidungsprozesse Ressourcen, Informations-, Anhörungs-, Rede-, Antrags- und Rückmelderechten,
  • Qualifizierung junger Gremienmitglieder und Begleitpersonen – insbesondere im Rahmen der Akademie für Kinder- und Jugendparlamente Brandenburg,
  • Unterstützung junger Menschen in kommunalen Ausschüssen, Erwachsenengremien und themenbezogenen Initiativen,
  • Beratung zu Schutz, Awareness, Diskriminierung und sicheren Arbeitsformen,
  • Konfliktklärung an den Schnittstellen zwischen Interessenvertretung, Verwaltung und Politik,
  • Vernetzung, Peer-Learning, kollegiale Austauschformate sowie Materialien und Praxisbeispiele.

Weiterführende Informationen

Krüger, J., Ringler, D., Adam, S. (2023): WIRKSAM, VERBINDLICH, VIELFÄLTIG? Kommunale Jugendbeteiligung durch Jugendgremien. Ergebnisse der Jugendgremienforschung in Brandenburg 2020/2021, hrsg. v. Stiftung Wohlfahrtspflege Brandenburg