Junge Perspektiven für die JFMK: Vom Dialog-Workshop zum Leitantrag
Im Brandenburger Vorsitzjahr 2023 stellte die Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) ihre Arbeit unter das Motto „MitWirkung“. Ein zentraler Baustein war ein bundesweiter Dialog-Workshop: 30 Jugendliche und junge Erwachsene entwickelten eigene Themen und Forderungen an Politik. Ihre Perspektiven flossen anschließend in den einstimmig beschlossenen JFMK-Leitantrag zur Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen ein.
Junge Menschen setzen die Themen
Nach einer digitalen Vorbereitung im Januar 2023 kamen die Teilnehmenden Anfang März in Potsdam zusammen. Sie brachten unterschiedliche Erfahrungen aus Stadt und Land, Ost und West, Jugendverbänden, Jugendparlamenten und ehrenamtlichem Engagement mit. Auch Migrationsbiografien und Inklusionserfahrungen prägten die Perspektiven der Gruppe.
Unter der Schirmherrschaft der Kinder- und Jugendbeauftragten des Landes Brandenburg, Katrin Krumrey, und unter Leitung des Kompetenzzentrums Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB), moderiert von Dr. Anna Grebe und Dominik Ringler, bestimmten die jungen Menschen selbst, welche Themen sie bearbeiten wollten:
- Diversität und Teilhabe
- mentale Gesundheit
- Chancengleichheit
- junge Mobilität
- kommunale Jugendbeteiligung
- Jugendbeteiligung auf Landesebene
- Kita und Schule
- Jugendverbände
In Kleingruppen analysierten sie Probleme, bündelten Erfahrungen und formulierten konkrete Forderungen. Anschließend stellten sie ihre Ergebnisse der damaligen Brandenburger Bildungs- und Jugendministerin Britta Ernst vor. In einer Fishbowl-Diskussion konnten sie ihre Positionen vertiefen, Fragen stellen und unmittelbar mit der Ministerin diskutieren.
Video: Der Dialog-Workshop im Rückblick
Die Videodokumentation gibt Einblicke in die Arbeitsphasen, die Themen der Teilnehmenden und den Austausch mit der Politik.
Forderungen aus acht Themenfeldern
Das Forderungspapier zeigt, wie eng unterschiedliche Lebensbereiche mit Beteiligung zusammenhängen. Fehlende Mobilität erschwert beispielsweise gesellschaftliche Teilhabe und ehrenamtliches Engagement. Armut begrenzt Bildungs- und Beteiligungschancen. Psychische Belastungen wirken sich auf Schule, Alltag und die Möglichkeiten aus, eigene Interessen zu vertreten.
Für die kommunale Ebene forderten die Teilnehmenden verbindliche Beteiligungsrechte in allen Bundesländern. Politik und Verwaltung sollten ihre Inhalte verständlich erklären, Zugänge zu Beteiligung schaffen und junge Interessenvertretungen unterstützen. Für die Landesebene sprachen sie sich für flexible und bedarfsgerechte Formate aus, die unterschiedliche Gruppen erreichen und geschützte Räume für Beteiligung bieten.
Weitere Forderungen betrafen unter anderem den Ausbau von Schulpsychologie und qualifizierter Schulsozialarbeit, bessere Zugänge zu psychotherapeutischer Unterstützung, bezahlbare Mobilität und einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Für Schulen wurden eine stärkere Demokratiebildung, wirksame Mitspracherechte, unabhängige Beschwerdemöglichkeiten und multiprofessionelle Teams gefordert. Jugendverbände sollten bei der Ausgestaltung des schulischen Ganztags verbindlich beteiligt und ehrenamtlich Engagierte besser unterstützt werden.










Vom Forderungspapier zum gemeinsamen Beschluss
Am 25. und 26. Mai 2023 tagte die JFMK in Potsdam. Alle 16 Länder brachten gemeinsam den Leitantrag „Mitwirkung“ ein und beschlossen ihn einstimmig.
Der Beschluss übernahm nicht den vollständigen Forderungskatalog des Workshops. Er griff jedoch zentrale Themen und Erfahrungen der Teilnehmenden auf und formulierte länderübergreifende Anforderungen an Beteiligungsprozesse. Dazu gehören:
- Kinder und Jugendliche müssen ihre Beteiligungsmöglichkeiten kennen.
- Zugangsbarrieren sollen erkannt und vermieden werden.
- Beteiligung muss altersgerecht gestaltet und bei Bedarf unterstützt werden.
- Erwachsene müssen zwischen den eigenen Einschätzungen und den Positionen junger Menschen unterscheiden.
- Junge Menschen sollen an der Gestaltung der Beteiligungsverfahren mitwirken.
- Ergebnisse und Entscheidungen müssen nachvollziehbar zurückgemeldet werden.
- Wenn Beteiligung wegen einer dringenden Entscheidung nicht rechtzeitig möglich ist, soll sie nachgeholt und die Entscheidung möglichst noch angepasst werden.
Der Leitantrag hält ausdrücklich fest: Mitwirkung muss Wirkung haben und darf sich nicht auf eine Anhörung beschränken. Außerdem regte die JFMK an, die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen im 17. Kinder- und Jugendbericht zentral zu behandeln.
Beteiligung braucht nachvollziehbare politische Anschlüsse
Der JFMK-Workshop verband ein eigenständiges Forderungspapier junger Menschen mit einem formalen politischen Beratungs- und Beschlussverfahren. Damit wurde sichtbar, welche Themen aus dem Dialog aufgegriffen wurden und welche gemeinsamen Maßstäbe die Länder daraus ableiteten.
Bei der Übergabe des JFMK-Vorsitzes an Bremen im Dezember 2023 sprachen sich Teilnehmende des Potsdamer Workshops dafür aus, junge Menschen auch im folgenden Vorsitzjahr erneut einzubeziehen. Beteiligung auf Bundes- und Landesebene braucht solche verlässlichen Anschlüsse, damit Beiträge junger Menschen nicht mit dem Ende einer Veranstaltung abgeschlossen sind.
Leitantrag und weitere Dokumentation
Der vollständige Beschluss dokumentiert die gemeinsamen Positionen aller Länder und die fachliche Begründung des Leitantrags:
Der Dialog-Workshop und weitere Beteiligungsprojekte aus dem Brandenburger JFMK-Vorsitzjahr werden außerdem in der Broschüre „MitWirkung 2024 – Aus der Praxis nachhaltiger Kinder- und Jugendbeteiligung in Brandenburg“ vorgestellt.