Rückblick: Fachtag Lebendige Beteiligung in den Hilfen zur Erziehung

Sprecherin beim Fachtag "Lebendige Beteiligung in den Hilfen zur Erziehung"

Der Fachtag „Lebendige Beteiligung in den Hilfen zur Erziehung“ griff am 9. April 2025 die Themen und Forderungen des 9. Dialogforums für Kinder und Jugendliche in den Hilfen zur Erziehung auf. Er brachte die Perspektiven junger Menschen mit der Fachpraxis zusammen und ordnete sie vor dem Hintergrund des Brandenburgischen Kinder- und Jugendgesetzes ein.

Vom Dialogforum in die Fachpraxis

Beim landesweiten Dialogforum tauschen sich Kinder und Jugendliche aus Angeboten der Hilfen zur Erziehung über ihre Beteiligungsmöglichkeiten aus, benennen Probleme und entwickeln Lösungsvorschläge. Begleitende Fachkräfte bearbeiten kritische Themen gemeinsam mit ihnen. Das Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB) führt das Dialogforum jährlich in enger Abstimmung mit dem Kinder- und Jugendhilfe-Landesrat Brandenburg (KJLR) und mit Unterstützung der AG „Partizipation in den erzieherischen Hilfen“ durch.

Das 9. Dialogforum fand am 7. und 8. Oktober 2024 statt. Die Ergebnisse richteten sich an Fach- und Führungskräfte freier und öffentlicher Träger der Jugendhilfe sowie an die Einrichtungsaufsicht. KJLR, AG Partizipation und die Fachstelle Beteiligung in den Hilfen zur Erziehung gestalteten das Programm gemeinsam.

Das BbgKJG aus der Perspektive junger Menschen

Das am 1. August 2024 in Kraft getretene Brandenburgische Kinder- und Jugendgesetz (BbgKJG) bildete den Schwerpunkt des Vormittags. Im Gesetzgebungsprozess waren junge Menschen unter anderem durch Beteiligungsworkshops, eine Online-Befragung, eine Stellungnahme des KJLR und eine Anhörung beteiligt.

Mitglieder des KJLR erläuterten die Bedeutung des Gesetzes für ihre Arbeit. Dr. Mark Einig vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Brandenburg stellte anschließend Empfehlungen und Praxisbeispiele zur Umsetzung des Gesetzes vor.

Vier Themen aus dem Alltag der Hilfen zur Erziehung

Am Nachmittag bildeten die dokumentierten Erfahrungen und Forderungen der jungen Menschen den Ausgangspunkt für vier Workshops:

  • Mobilität: Unterschiedliche Regelungen beim Deutschlandticket und bei Fahrkosten sowie fehlende Busverbindungen, Fahrräder und Unterstützung beim Führerschein. Gefordert wurden nachvollziehbare, möglichst einheitliche Regelungen und bessere Mobilitätsmöglichkeiten.
  • Schule und Ausbildung: Fehlende Unterstützung bei Hausaufgaben und Bewerbungen, unzureichende technische Ausstattung, fehlende Lernorte und Vorurteile in der Schule. Gefordert wurden verlässliche Unterstützung und geeignete technische Voraussetzungen.
  • Umgang mit Geldern: Unterschiedliche und nicht transparente Regelungen zu Taschen-, Bekleidungs-, Fahrt- und weiteren persönlichen Geldern. Die jungen Menschen forderten verständliche Informationen, mehr Selbstbestimmung und einen Umgang mit Konflikten, bei dem Taschengeld nicht als Strafe entzogen wird.
  • Verselbständigung: Fehlende Absprachen und Unterstützung beim Übergang in ein eigenständiges Leben. Genannt wurden der Umgang mit Finanzen und Versicherungen, Alltagsaufgaben, mögliche Einsamkeit sowie der Schutz der Privatsphäre.

Jeweils ein Mitglied des KJLR und eine Person aus der AG Partizipation gestalteten die Workshops im Tandem. Die Fachkräfte entwickelten auf Grundlage der Forderungen Lösungsansätze. Diese wurden dem KJLR vorgestellt und von seinen Mitgliedern rückgemeldet.

Beteiligung zeigt sich im Alltag

Über alle Themenfelder hinweg wiederholten sich zentrale Anliegen: Junge Menschen wollen wissen, welche Rechte, Leistungen und finanziellen Mittel ihnen zustehen. Sie erwarten verständliche und verlässliche Regelungen, ausreichende Unterstützung, Schutz ihrer Privatsphäre und mehr Vertrauen in ihre Entscheidungen. Beteiligung zeigt sich damit in alltäglichen Fragen – von Fahrkosten und Hausaufgaben über Bekleidung bis zur Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben.

Der Fachtag war ausdrücklich als Weiterarbeit angelegt: Die Perspektiven der jungen Menschen sollten in den fachlichen Austausch und in die Praxis der Hilfen zur Erziehung einfließen.

Ergebnisse und weitere Informationen

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