Beteiligung macht stark: Zehn Jahre Dialogforum in Brandenburg

Mitglieder des KJLR und die Landes- Kinder- und Jugendbeauftragte mit einer symbolischen 10
Mitglieder des KJLR und die Landes- Kinder- und Jugendbeauftragte, Katrin Krumrey

Seit 2016 bringt das Brandenburger Dialogforum junge Menschen aus den Hilfen zur Erziehung, Fachkräfte und Verantwortliche auf Landesebene miteinander ins Gespräch. Eine Jubiläumsbroschüre dokumentiert die Entwicklung, Erfahrungen und Ergebnisse des Formats. Zwei Filme geben zusätzliche Einblicke in das zehnte Dialogforum vom 13.-14.10.2025.

Vom Pilotversuch zum jährlichen Dialogforum

Am Anfang stand die fachliche Einsicht, dass Beteiligung in den Hilfen zur Erziehung nicht weiterentwickelt werden kann, wenn Fachkräfte nur über junge Menschen sprechen. Aus einem Fachtag des Paritätischen Landesverbandes Brandenburg ging die AG „Partizipation in den erzieherischen Hilfen“ hervor. Sie bereitete das erste landesweite Dialogforum vor, das 2016 als eintägige Pilotveranstaltung im Rahmen des Brandenburgischen Erziehungshilfetages in Cottbus stattfand.

Die jungen Teilnehmenden formulierten damals zwei zentrale Anliegen: Das Dialogforum sollte fortgesetzt werden und junge Menschen aus den Hilfen zur Erziehung brauchten eine einrichtungsübergreifende Interessenvertretung. Seit 2017 findet das Dialogforum jährlich an zwei Tagen statt. Seit 2018 entwickelt die Fachstelle Beteiligung in den Hilfen zur Erziehung unter dem Dach des Kompetenzzentrums Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB) das Format weiter.

Die Dokumentationen aller Dialogforen finden sich in den Publikationen

Heute führt das KiJuBB das Dialogforum jährlich auf Landesebene durch. Planung, Durchführung, Nachbereitung und fachlicher Transfer erfolgen in enger Abstimmung mit dem Kinder- und Jugendhilfe Landesrat Brandenburg (KJLR) und mit Unterstützung der AG Partizipation. Der KJLR wirkt an der Themenfindung mit, übernimmt Aufgaben im Programm und greift Ergebnisse in seiner Interessenvertretungsarbeit auf. Die AG Partizipation verbindet das Format mit dem trägerübergreifenden Fachaustausch und unterstützt die Arbeit mit den begleitenden Fachkräften.

Ein geschützter Raum für Austausch und Aushandlung

Die Grundidee ist bis heute dieselbe: mit jungen Menschen sprechen statt über sie. Dafür braucht es Themen, die an ihre Lebensrealität anknüpfen, freiwillige Beteiligung, Vertrauen und geschützte Räume. Ebenso wichtig ist Klarheit darüber, was mit Hinweisen, Kritik und Ergebnissen nach dem Dialogforum geschieht.

Jährlich kommen rund 90 junge Menschen aus überwiegend stationären Angeboten der Hilfen zur Erziehung zusammen. Sie tauschen Erfahrungen aus, wählen ihre Workshops und bearbeiten Themen, die für ihr Leben wichtig sind. Dazu gehörten unter anderem Mitbestimmung im Alltag, Privatsphäre, Mediennutzung, Beschwerdemöglichkeiten, Hilfeplangespräche, Taschengeld, Verselbstständigung und der Umgang mit Vorurteilen.

Begleitende Fachkräfte arbeiten zeitweise in einem eigenen Workshop. Später kommen beide Perspektiven zusammen: Junge Menschen und Fachkräfte beraten Lösungsvorschläge und verständigen sich darauf, welche Impulse sie in ihre Einrichtungen mitnehmen. Trägervereinbarungen und Rückmeldungen im folgenden Jahr schaffen einen verbindlicheren Rahmen, auch wenn nicht jedes Anliegen unmittelbar umgesetzt werden kann.

Vom Dialogforum in Einrichtungen und Landespolitik

Die Bedeutung des Dialogforums reicht über die Veranstaltungstage hinaus. Themen und Forderungen werden in Einrichtungen, bei Trägern, in Fachgremien und gegenüber der Landespolitik weiterbearbeitet. Aus dem Format sind weitere Strukturen entstanden: regionale Dialogforen, Fachtage zur Nachbereitung, die Qualifizierung von Multiplikator*innen für Partizipation und die Fachstelle Beteiligung in den Hilfen zur Erziehung.

Eine besonders wichtige Entwicklung ist der KJLR. Die Forderung nach einer landesweiten Interessenvertretung kam bereits beim ersten Dialogforum auf; beim dritten Dialogforum wurde 2018 der erste KJLR gewählt. Inzwischen ist er in § 140 des Brandenburgischen Kinder- und Jugendgesetzes verankert. Das Dialogforum bleibt für den KJLR ein zentraler Ort, um Themen aufzunehmen, über die eigene Arbeit zu informieren und weitere junge Menschen für Interessenvertretung zu gewinnen.

Zehntes Dialogforum: Beteiligung macht stark

Das zehnte Dialogforum fand am 13. und 14. Oktober 2025 unter dem Motto „Beteiligung macht stark!“ statt. In acht kreativen Workshops setzten sich die Teilnehmenden damit auseinander, was Stärke für sie bedeutet und welche Rolle Beteiligung dabei spielt. Die Ergebnisse reichten von Graffiti, Tanz und kreativem Schreiben über Pins und Stempel bis zu Podcast-, Social-Media- und Filmproduktionen.

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Parallel blickten Fachkräfte, Gäste aus Politik und Verwaltung, frühere Mitglieder des KJLR und langjährige Wegbegleiter*innen in einer Fishbowl auf die Entstehung und Zukunft des Dialogforums. Den Abschluss bildeten die Präsentationen der jungen Menschen und Fachkräfte. Sie zeigten, wie unterschiedlich Beteiligung ausgedrückt werden kann und welche Bedeutung passende Zugänge, eigene Themen und selbst gestaltete Ergebnisse haben.

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Die Jubiläumsbroschüre: Erfahrungen sichern, Weiterarbeit ermöglichen

Die Broschüre „Beteiligung macht stark! 10 Jahre Brandenburger Dialogforum für Kinder und Jugendliche in den Erzieherischen Hilfen“ zeichnet die Entwicklung seit 2016 nach. Sie beschreibt das Konzept, dokumentiert die Themen junger Menschen und beleuchtet die Rollen der Fachkräfte, der AG Partizipation, des KJLR und der Landesebene. Interviews ergänzen den Rückblick; ein eigenes Kapitel stellt das zehnte Dialogforum und seine Workshops vor.

Die Broschüre macht Erfahrungen aus zehn Jahren zugänglich und gibt Anhaltspunkte dafür, welche fachlichen, organisatorischen und politischen Verbindungen für eine dauerhafte Struktur erforderlich sind. Zugleich richtet sie den Blick auf die Weiterarbeit: Wie können weitere Einrichtungen und junge Menschen erreicht werden? Wie lassen sich landesweite und regionale Dialogformate verbinden? Und wie bleibt nachvollziehbar, was aus den Themen und Forderungen der jungen Menschen wird?