Digitalisierung mit jungen Menschen gestalten
Fünf im Aktionsbündnis Jugend zusammenarbeitende Organisationen haben eine gemeinsame Stellungnahme vom 24. August 2026 zum Entwurf der Strategie „Digitales Brandenburg: Bereit für die Zukunft“ vorgelegt. Beteiligt sind der Landesjugendring Brandenburg, der Fachverband Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit Brandenburg, das Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB), die Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg und der Landesfachverband Medienbildung Brandenburg.
Die Organisationen begrüßen, dass der Entwurf digitale Teilhabe, Bildung, Medienkompetenz, Demokratiebildung und Kinder- und Jugendmedienschutz stärker aufgreift. Entscheidend wird allerdings sein, wie verbindlich diese Ziele umgesetzt und finanziell abgesichert werden.
Junge Menschen als Mitgestaltende anerkennen
Die gemeinsame Stellungnahme macht deutlich, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der Digitalstrategie als eigenständige gesellschaftliche Gruppe sichtbar werden müssen. Sie nutzen digitale Räume für Bildung, Information und Kommunikation und prägen dort Öffentlichkeit, Kultur, Engagement und demokratische Prozesse. Die Strategie sollte deshalb Schutz, Medienkompetenz und tatsächliche Möglichkeiten der Mitgestaltung miteinander verbinden.
Digitale Beteiligung und Beteiligung an Digitalisierung gehören dabei zusammen. Wenn digitale Angebote, Verfahren oder Infrastrukturen junge Lebenswelten berühren, sollten junge Menschen frühzeitig und wirksam einbezogen werden. Die Stellungnahme schlägt vor, Beteiligung als Qualitätsanforderung im Digitalcheck und im vorgesehenen Vorgehensmodell zu verankern. §§ 4 und 11 des Brandenburgischen Kinder- und Jugendgesetzes bieten dafür einen rechtlichen Bezugspunkt.
Kinder- und Jugendhilfe in die Digitalstrategie einbeziehen
Die Kinder- und Jugendhilfe verfügt über langjährige Erfahrungen mit Medienbildung, Beteiligung und Jugendmedienschutz. In Strategie und Umsetzungsplan wird sie bislang dennoch nur unzureichend als eigenständiger Bereich der digitalen Entwicklung berücksichtigt.
Die beteiligten Organisationen schlagen deshalb ein Hebelvorhaben „Digitale Kinder- und Jugendhilfe Brandenburg“ vor. Es sollte die Ausstattung freier und öffentlicher Träger, sichere Kommunikation, Datenschutz, Qualifizierung sowie digitale und hybride pädagogische Angebote verbinden. Hinzu kommen dauerhaft finanzierte Beratungs-, Netzwerk- und Fortbildungsstrukturen sowie Jugendmedienschutz als Querschnittsaufgabe.
Umsetzungsplan verbindlich machen
Für die demokratische Beteiligung junger Menschen fehlt im Umsetzungsplan bislang ein konkretes Hebelvorhaben. Die Stellungnahme regt deshalb ein eigenes Vorhaben oder Beteiligung als verbindliches Querschnittskriterium relevanter Digitalvorhaben an. Voraussetzung dafür ist eine dauerhafte Finanzierung von Teilhabe, Medienbildung und Fachstrukturen.
Ausblick aus KiJuBB-Sicht
Die gemeinsame Stellungnahme bündelt die priorisierten Anliegen der beteiligten Organisationen. Aus KiJuBB-Sicht sollte Beteiligung in der weiteren Ausarbeitung nicht auf digitale Formate begrenzt werden. Junge Menschen sollten ebenso an der Entwicklung von Angeboten, Verwaltungsverfahren und Infrastrukturen mitwirken, die ihre Lebenswelten berühren. Dafür braucht es verständliche Informationen, Gelegenheit zur Äußerung, die angemessene Berücksichtigung ihrer Interessen sowie Rückmeldung und Dokumentation.
Ebenso wichtig sind barrierearme Zugänge, die Verbindung digitaler, analoger und hybrider Formen und eine Kinder- und Jugendperspektive bei Daten- und KI-Anwendungen. Dazu gehören verständliche Informationen, Datensparsamkeit und erreichbare Möglichkeiten menschlicher Überprüfung, wenn solche Systeme Entscheidungen über junge Menschen vorbereiten. Digitale Demokratiebildung sollte außerdem reale Erfahrungen von Mitgestaltung und Selbstwirksamkeit ermöglichen. Diese Anforderungen sollten im Umsetzungsplan mit konkreten Vorhaben, Zuständigkeiten und Ressourcen unterlegt werden.
Stellungnahme herunterladen
Die Stellungnahme enthält acht Vorschläge zur weiteren Überarbeitung und Umsetzung der Digitalstrategie.