Inklusive Kinder- und Jugendbeteiligung

Beteiligung ist nicht automatisch inklusiv. Eine offene Einladung reicht nicht aus, wenn Informationen unverständlich bleiben, Orte nicht erreichbar sind oder notwendige Unterstützung fehlt. Inklusive Kinder- und Jugendbeteiligung bedeutet, dass junge Menschen mit unterschiedlichen Lebenslagen, Fähigkeiten, Ressourcen und Ausschlusserfahrungen tatsächlich Zugang, Stimme, Einfluss und Rückmeldung erhalten.

Das Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB) unterstützt Politik, Verwaltung, Träger, Einrichtungen und Fachkräfte dabei, Beteiligung entsprechend weiterzuentwickeln. Inklusion ist kein Sonderformat für einzelne Zielgruppen, sondern ein Qualitätsmerkmal jeder Beteiligung.

Inklusion als Querschnittsaufgabe

Inklusive Beteiligung betrifft kommunale Verfahren ebenso wie Kinder- und Jugendgremien, Hilfen zur Erziehung, landesweite Prozesse, Jugendarbeit, Nachhaltigkeit und Strukturwandel. Wiederkehrend sind dieselben Fragen: Wer wird erreicht? Wer fehlt? Welche Barrieren entstehen durch Sprache, Räume, Zeiten, Methoden oder institutionelle Abläufe? Welche Unterstützung wird benötigt? Und wie werden Beiträge berücksichtigt und zurückgemeldet?

Barrieren sind nicht auf bauliche Hindernisse oder eine festgestellte Behinderung begrenzt. Auch lange Wege, Kosten, fehlende Assistenz, unsichere Gruppensituationen, komplizierte Kommunikation oder geringe Entscheidungsspielräume können ausschließen. Der Beitrag „Gelingensfaktoren“ in Wissen & Praxis vertieft individuelle, institutionelle und gesellschaftliche Einflussfaktoren.

Beteiligung von Beginn an inklusiv planen

Vor dem Start muss geklärt werden, worum es geht, wer betroffen ist und welcher Einfluss tatsächlich möglich ist. Erst dann lassen sich passende Zugänge, Informationen, Orte, Zeiten, Methoden und Unterstützungsformen bestimmen. Persönliche Ansprache, vertraute Orte und Kooperationen mit Jugendarbeit, Schulen, Einrichtungen, Selbstvertretungen und Bezugspersonen können Gruppen erreichen, die über öffentliche Einladungen kaum angesprochen werden.

Informationen sollen verständlich erklären, was geplant ist, wer verantwortlich ist und was mit den Ergebnissen geschieht. Klare Sprache, Bilder, Piktogramme, Audio, Video, Einfache oder Leichte Sprache und persönliche Erklärungen können sich ergänzen. Auch Anmeldung, Wege, Räume, Technik, Assistenz, Pausen und Rückzugsmöglichkeiten müssen zugänglich sein.

Junge Menschen sollen sich auf unterschiedliche Weise ausdrücken können: gesprochen, geschrieben, gezeigt, gestaltet oder mit Unterstützung. Ebenso wichtig sind ein sicherer, diskriminierungssensibler Rahmen und erreichbare Ansprechpersonen. Beteiligung endet erst, wenn Beiträge ausgewertet, in Entscheidungen eingebracht und nachvollziehbar zurückgemeldet wurden.

Das Klaviermodell der Beteiligungsintensität unterstützt dabei, eine zum Gegenstand passende Form zu bestimmen. Entscheidend ist nicht die vermeintlich höchste Stufe, sondern ein ehrlich benannter und wirksamer Entscheidungsspielraum.

Organisationen inklusiver weiterentwickeln

Inklusive Beteiligung ist nicht allein eine Methodenfrage. Sie betrifft Haltung, Leitung, Personal, Zeit, Finanzierung, Räume, Technik, Schutz, Beschwerdewege und Kooperationen. Organisationen brauchen geklärte Zuständigkeiten, ausreichende Ressourcen und Möglichkeiten zur Reflexion. Dabei geht es nicht um einen sofort perfekten Zustand, sondern um einen bewussten und überprüfbaren Entwicklungsprozess.

Die Querverbindungen zu den Fachbereichen des KiJuBB werden auf den jeweiligen Seiten vertieft: kommunale Beteiligung und Interessenvertretungen, Hilfen zur Erziehung, Landesebene, Nachhaltigkeit und Strukturwandel.

Index für Inklusion – Beteiligung

Der „Index für Inklusion – Beteiligung“ entstand in Kooperation des KiJuBB mit der Fachstelle Inklusion in der Jugendarbeit. Seine 25 Reflexionsfragen betreffen inklusive Kultur, Vorbereitung, Zusammenarbeit, Kommunikation, Wirksamkeit und Weiterentwicklung.

Der Index ist kein Prüfverfahren mit Punktwert. Teams können vorhandene Stärken sichtbar machen und einen erreichbaren nächsten Entwicklungsschritt auswählen. So wird Inklusion als fortlaufender Lern- und Organisationsprozess bearbeitbar.

Zum Index für Inklusion – Beteiligung

Zur Fachstelle Inklusion in der Jugendarbeit

Rolle und Grenzen des KiJuBB

KiJuBB berät verantwortliche Strukturen bei Auftragsklärung, Barrierenanalyse, Konzept- und Organisationsentwicklung, Qualifizierung und Praxisreflexion. Die Fachstelle übernimmt Beteiligung nicht dauerhaft anstelle der zuständigen Stellen und berät junge Menschen nicht individuell. Direkte Arbeit mit jungen Menschen findet nur in klar beauftragten Modell- und Entwicklungsprojekten statt.

Rechtliche Hinweise

Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention und Artikel 7 der UN-Behindertenrechtskonvention verbinden das Beteiligungsrecht mit alters- und behinderungsgerechter Unterstützung. §§ 8 und 9 SGB VIII verlangen verständliche Beteiligung, gleichberechtigte Teilhabe und den Abbau von Barrieren; § 11 SGB VIII ergänzt dies für die Jugendarbeit.

In Brandenburg konkretisieren §§ 4 und 11 bis 13 BbgKJG die Anforderungen an Beteiligungsverfahren. § 46 BbgKJG beschreibt Inklusion als wirksame und gleichberechtigte Teilhabe. Die Rechtsbezüge werden fachlich eingeordnet und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Ansprechpersonen

Das Bild zeigt Dominik Ringler
Dominik Ringler
Geschäftsleitung
+49 177 6856330
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NN
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Angebote des KiJuBB

Das landesweite und kostenfreie Angebot umfasst – abhängig von Auftrag, Ausgangslage und verfügbaren Ressourcen:

  • orientierende Erstberatung und Auftragsklärung,
  • Beratung zur inklusiven Planung von Beteiligungsverfahren,
  • Analyse von Zugängen, Barrieren und nicht erreichten Perspektiven,
  • Beratung zu verständlicher und barrierearmer Kommunikation,
  • Unterstützung bei aufsuchenden Zugängen, Assistenz, Begleitung und Schutz,
  • Entwicklung inklusiver Beteiligungs- und Gremienstrukturen,
  • Konzept- und Organisationsentwicklung,
  • Qualifizierungen, Praxiswerkstätten und Reflexionsformate,
  • Arbeit mit dem Index für Inklusion – Beteiligung,
  • Materialien, Praxisbeispiele und Wissenstransfer aus Modellprojekten.