Jugend beteiligt Brandenburg: Peer-Leader geben Erfahrungen weiter
Was geschieht mit den Erfahrungen junger Menschen, wenn sie aus einem Kinder- und Jugendgremium ausscheiden? Das Projekt „Jugend beteiligt Brandenburg“ setzte genau dort an. Ehemalige Mitglieder kommunaler Jugendgremien wurden zu Peer-Leadern qualifiziert. Seitdem brachten sie ihre Erfahrungen in Workshops, Seminare, Veranstaltungen und Sommercamps ein.
Peerleader für Jugendbeteiligung
Mit der Einführung verbindlicher kommunaler Kinder- und Jugendbeteiligung im Jahr 2018 – zunächst in § 18a, heute in § 19 der Kommunalverfassung des Landes Brandenburg – entstanden in vielen Kommunen neue Kinder- und Jugendgremien. Ihre Mitglieder sammelten Erfahrungen mit politischen Abläufen, kommunalen Entscheidungen und der Vertretung eigener Interessen.
Mit dem Ende einer Amtszeit, dem Beginn eines Studiums, einem Wohnortwechsel oder aus persönlichen Gründen schieden junge Menschen jedoch aus den Gremien aus. Ihre Kenntnisse und Kontakte wurden anschließend häufig nicht weiter genutzt. Zugleich fehlten Möglichkeiten, Erfahrungen zwischen den Mitgliedern verschiedener Gremien auf Augenhöhe weiterzugeben.
Das Projekt „Jugend beteiligt Brandenburg“ griff diese Lücke auf. Es verband die Qualifizierung ehemaliger Gremienmitglieder mit dem Aufbau einer Peer-Struktur für die kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung.
Qualifizierung für eigene Workshops und Formate
Im Frühjahr 2023 nahmen zwölf Jugendliche und junge Erwachsene aus verschiedenen Brandenburger Kommunen an der ersten einwöchigen Qualifizierung in Schloss Gollwitz teil. Sie verfügten bereits über mehrjährige Erfahrungen in der Kommunalpolitik und in Kinder- und Jugendgremien.
Während der Qualifizierung entwickelten sie eigene Workshopformate und Inhalte der politischen Bildung. Sie bereiteten sich darauf vor, junge Menschen aus anderen Gremien zu beraten, Veranstaltungen zu moderieren und Seminare durchzuführen.
Der Ansatz nutzt bewusst die Erfahrungen junger Menschen: Peer-Leader kennen die Möglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten der Arbeit in kommunalen Jugendgremien aus eigener Praxis. Sie können Themen in einer Sprache bearbeiten, die an den Erfahrungen der Teilnehmenden anknüpft.
Peer-Leader in der Beteiligungspraxis
Nach der Qualifizierung führten die Peer-Leader selbstständig und überwiegend in Teams Workshops und Seminare mit jungen Menschen durch. Sie wirkten außerdem als Moderatorinnen, Sprecherinnen und Teamer*innen bei Treffen, Veranstaltungen und Sommercamps mit.
Bei Bedarf konnten sie auf ein Coaching durch erfahrene Fachkräfte des Kompetenzzentrums Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB) und der Bildungsstätte Schloss Gollwitz zurückgreifen. Die Verbindung aus eigenständiger Verantwortung und fachlicher Begleitung gehörte damit zum Projektansatz.
Peer-Leader unterstützten nicht nur junge Menschen. Ihre Arbeit konnte auch Fachkräften und Begleitstrukturen vor Ort helfen, Erfahrungen aus unterschiedlichen Jugendgremien zusammenzuführen und den Austausch zwischen den Kommunen zu fördern.
Zugänge öffnen und Vielfalt fördern
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Kinder- und Jugendgremien unterschiedliche Gruppen junger Menschen besser erreichen können. Die Peer-Leader beschäftigten sich mit Zugangsbarrieren, Vielfalt und den Bedingungen, unter denen sich mehr Kinder und Jugendliche in kommunale Beteiligungsstrukturen einbringen können.
Damit reagierte das Projekt auf eine wiederkehrende Herausforderung: Jugendgremien benötigen Nachwuchs und offene Zugänge. Gleichzeitig brauchen junge Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Unterstützungsbedarfen passende Möglichkeiten, sich zu beteiligen.
Das Peerleader-Projekte ist deshalb wichtig, weil Kinder- und Jugendbeteiligungnicht von oben herab gelebt wird, sondern im Miteinander. (…)
Die Peerleader sind ein Weg, die Kinder- und Jugendbeteiligung auszubauen und das Projekt sollte deswegen definitiv noch weiter unterstützt werden.Toni Kissing, Teilnehmer an der Peerleader-Ausbildung
Peer-Arbeit ersetzt dabei weder die Verantwortung von Politik und Verwaltung noch die fachliche Begleitung. Sie ergänzt bestehende Strukturen um die Perspektiven und Erfahrungen junger Menschen. Politik und Verwaltung bleiben dafür verantwortlich, Beteiligungsrechte zu sichern und die notwendigen Zuständigkeiten, Ressourcen und Einflussmöglichkeiten bereitzustellen.
Video: Das Peer-Leader-Projekt im Rückblick
Das Video „Jugend beteiligt Brandenburg – Peerleaderprojekt 2023“ gibt Einblicke in die Qualifizierung und stellt den Projektansatz aus der Perspektive der Beteiligten vor.
Projektzeitraum und Dokumentation
„Jugend beteiligt Brandenburg“ wurde gemeinsam vom KiJuBB und der Bildungsstätte Schloss Gollwitz umgesetzt. Von Herbst 2022 bis Ende 2024 erhielt das Projekt eine Förderung aus dem Programm Erasmus+ – Jugendpartizipationsprojekte.
Die Broschüre „MitWirkung – Aus der Praxis nachhaltiger Kinder- und Jugendbeteiligung in Brandenburg“ dokumentiert den Ansatz und weitere Beteiligungsprojekte aus Brandenburg (der Beitrag zu den Peerleadern findet sich auf S. 14-15).