Kinder- und Jugendbeteiligung bei Nachhaltigkeitsthemen
Nachhaltigkeits- und Transformationsentscheidungen prägen die Lebensbedingungen junger und kommender Generationen. Das Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg (KiJuBB) unterstützt Politik, Verwaltung, Kommunen und Fachakteur*innen dabei, junge Perspektiven frühzeitig, nachvollziehbar und mit realistischen Einflussmöglichkeiten in solche Prozesse einzubeziehen.
Nachhaltigkeit betrifft nicht nur Klima- und Umweltschutz. Auch Mobilität, Wohnen, Gesundheit, Bildung, soziale Gerechtigkeit, Ausbildung, Arbeit, regionale Entwicklung oder die langfristige Sicherung öffentlicher Infrastruktur gehören dazu. Junge Menschen erleben diese Fragen je nach Alter, Lebenslage und Region unterschiedlich. Beteiligung hilft, diese Unterschiede sichtbar zu machen und in Entscheidungen einzubeziehen.
Nachhaltigkeit ökologisch, sozial und wirtschaftlich denken
Nachhaltige Entwicklung verbindet ökologische, soziale und wirtschaftliche Fragen. Klimaschutz, Energie und Ressourcennutzung stehen dabei ebenso mit sozialer Teilhabe, Erreichbarkeit, Wohnkosten, Bildungschancen oder regionalen Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in Zusammenhang. Gerade bei Transformationsprozessen entstehen Zielkonflikte, die sich aus unterschiedlichen Lebenslagen verschieden darstellen.
Kinder- und Jugendbeteiligung schafft einen Zugang zu diesen Perspektiven. Sie ersetzt keine fachliche Planung, erweitert sie aber um Erfahrungen, Bedürfnisse und Bewertungen junger Menschen. Dabei gibt es nicht die eine Jugendperspektive. Gute Verfahren berücksichtigen unterschiedliche Regionen, soziale Lagen, Bildungs- und Beteiligungserfahrungen sowie Barrieren beim Zugang zu Information und Mitwirkung.
Komplexe Themen beteiligungsgerecht aufbereiten
Nachhaltigkeitsstrategien und Transformationsprozesse sind häufig langfristig, ressortübergreifend und fachlich komplex. Beteiligung kann nur funktionieren, wenn verständlich wird, worüber entschieden wird, welche Alternativen bestehen und welchen Einfluss Beiträge junger Menschen tatsächlich haben können. Informationen müssen deshalb verständlich aufbereitet und mit konkreten Lebenswelten und Entscheidungsfragen verbunden werden.
Dazu braucht es Zeit für Information, Austausch und Urteilsbildung. Beteiligung ist mehr als eine Meinungsabfrage: Junge Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen, unterschiedliche Positionen abzuwägen, eigene Vorschläge zu entwickeln und zu erfahren, wie mit ihren Beiträgen weitergearbeitet wird.
Beteiligung frühzeitig in Fachprozesse einbauen
Beteiligung sollte beginnen, bevor wesentliche Entscheidungen bereits gefallen sind. Zu klären sind der Beteiligungsgegenstand, die betroffenen Gruppen, der Entscheidungsspielraum, die zuständigen Stellen und der Weg der Ergebnisse in fachliche und politische Entscheidungen. Je nach Thema können dabei kommunale, regionale und landesweite Ebenen zusammenspielen.
Anlässe können beispielsweise Nachhaltigkeits- und Klimastrategien, Mobilitäts- oder Energiefragen, Stadt- und Ortsentwicklung, Fachkräftesicherung, soziale Infrastruktur oder regionale Transformationsprozesse sein. Nicht jedes Thema braucht ein eigenes Format. Entscheidend ist, frühzeitig zu erkennen, wann junge Menschen betroffen sind und welcher Beteiligungsweg zum Gegenstand und zum tatsächlichen Entscheidungsspielraum passt.
Land, Kommunen und Regionen zusammendenken
Nachhaltigkeitspolitik wird auf mehreren Ebenen gestaltet. Auf Landesebene geht es unter anderem um Strategien, Programme und ressortübergreifende Prozesse. Kommunal und regional werden viele Folgen unmittelbar sichtbar – etwa bei Mobilität, öffentlichen Räumen, Daseinsvorsorge, Klimaanpassung oder regionaler Entwicklung.
KiJuBB verbindet Erfahrungen aus kommunaler Beratung, landesweiten Beteiligungsverfahren und projektbezogener Fachentwicklung. Je nach Anlass bestehen enge Bezüge zu den Fachgebieten „Kinder- und Jugendbeteiligung in Kommunen“, „Kinder- und Jugendbeteiligung auf Landesebene“ und „Kinder- und Jugendbeteiligung im Strukturwandel“.
Beteiligung, Interessenvertretung, politische Bildung und Engagement unterscheiden
Nachhaltigkeitsthemen brauchen häufig Information und politische Einordnung. Politische Bildung unterstützt Orientierung und Urteilsbildung. Beteiligung eröffnet Einfluss auf einen konkreten Prozess. Engagement schafft Raum für eigenständiges Handeln, Interessenvertretung für längerfristige Positionierung. Diese Formen können sich ergänzen, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen.
Das 4-Felder-Modell des KiJuBB hilft, Ziele und Erwartungen zu klären und geeignete Formate auszuwählen. Gerade bei komplexen Nachhaltigkeitsthemen ist wichtig, Information oder Bildungsangebote nicht als Beteiligung auszugeben, wenn kein tatsächlicher Einfluss auf einen Entscheidungsprozess besteht.
Beratung und Qualifizierung durch das KiJuBB
KiJuBB unterstützt Politik, Verwaltung, Kommunen und Fachakteur*innen dabei, Beteiligung an Nachhaltigkeits- und Transformationsthemen fachlich zu planen und umzusetzen. Die Beratung kann bei einer ersten Auftragsklärung beginnen und bis zur Entwicklung von Beteiligungskonzepten, Methoden, Zugängen, Auswertungs- und Rückmeldewegen reichen.
Qualifizierungen und fachlicher Austausch unterstützen Verantwortliche dabei, komplexe Themen verständlich aufzubereiten, unterschiedliche junge Menschen zu erreichen und Beteiligung mit bestehenden politischen und administrativen Verfahren zu verbinden. Die fachliche Verantwortung für Nachhaltigkeits-, Klima-, Verkehrs-, Wirtschafts- oder Sozialplanung bleibt bei den jeweils zuständigen Stellen.
Praxis und Entwicklung: Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa)
Mit dem Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg (JuFoNa) verfügt KiJuBB über ein landesweites Praxis- und Entwicklungsprojekt für die Beteiligung junger Menschen an Nachhaltigkeitsthemen. Das JuFoNa eröffnet unterschiedliche Zugänge zu Information, Vernetzung, eigenen Themen und politischen Beteiligungsprozessen. Die konkreten Formate und Arbeitsweisen werden gemeinsam mit jungen Menschen entwickelt.
Erfahrungen aus dem Projekt fließen in die Fachentwicklung ein: Wie lassen sich komplexe Nachhaltigkeitsthemen zugänglich machen? Welche Formate erreichen unterschiedliche junge Menschen? Wie können landespolitische Prozesse mit regionalen und kommunalen Perspektiven verbunden werden? Die Projektseite beschreibt die Entwicklung und Arbeitsweise des JuFoNa ausführlich.
Ansprechpersonen
Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg
Jugendforum Nachhaltigkeit Brandenburg
Angebote des KiJuBB
Das landesweite und kostenfreie Angebot umfasst – abhängig von Auftrag, Ausgangslage und verfügbaren Ressourcen:
- orientierende Erstberatung und Auftragsklärung,
- Beratung zur Kinder- und Jugendbeteiligung in Nachhaltigkeits- und Transformationsprozessen,
- Klärung von Beteiligungsgegenstand, Zielgruppen, Einflussmöglichkeiten und Rückmeldung,
- Unterstützung bei der verständlichen und zugänglichen Aufbereitung komplexer Themen,
- Entwicklung geeigneter Beteiligungskonzepte, Methoden und Formate,
- Qualifizierungen für Politik, Verwaltung, Kommunen und Fachkräfte,
- Beratung zu regionalen und landesweiten Zugängen für unterschiedliche junge Menschen,
- Auswertung, Reflexion und Transfer von Erfahrungen aus Beteiligungsprozessen,
- Verknüpfung mit weiteren Fachgebieten und Projekten des KiJuBB.